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DAGStat Symposium · Datenethik und KIBericht über die Veranstaltung vom 27. Februar 2026

Am 27. Februar fand das Symposium der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Statistik (DAGStat) zum Thema Datenethik und Künstliche Intelligenz statt – wie bereits im Vorjahr in den Räumlichkeiten des Hauptstadtbüros des Statistischen Bundesamtes. Vor einem gut gefüllten Auditorium wurde die Veranstaltung mit einem Impulsvortrag von Kerstin Schlögl-Flierl eröffnet. Die Professorin für Ethik, die in zahlreiche Forschungsprojekte im Bereich Datenethik eingebunden ist, stellte das Konzept der „Embedded Ethics“ in den Mittelpunkt. Dieses verfolgt das Ziel, ethische Fragestellungen integrativ im gesamten Forschungsprozess mitzudenken – nicht nur zu Beginn oder am Ende eines Projekts. So können Verzerrungen in Daten oder ethische Risiken frühzeitig identifiziert werden, Ethikerinnen und Ethiker können zusammen mit  Data Scientists Lösungen finden.

Im Anschluss beleuchtete Antonia Zapf das Thema Datenethik aus medizinischer Perspektive. Als Professorin für Statistik im Bereich Medizin berichtete sie von zahlreichen „success stories“, insbesondere im Bereich der KI-Diagnostik. Gleichzeitig betonte sie die bleibende Verantwortung des Menschen. Der „Human in the Loop“, oft als Fehlerquelle betrachtet, ist hier eher unverzichtbare Expertin oder Experte. Die Kombination (vermeintlicher) Objektivität KI-basierter Diagnosesysteme mit menschlichem Fachwissen schaffe Vertrauen in diagnostische Prozesse.

Auch Florian Dumpert stellte das Thema Vertrauen in den Mittelpunkt seines Vortrags. Seine Kernaussage lautete: „Statistik ist nicht Wahrheit, aber Statistik schafft Wirklichkeit.“ Als Vertreter der amtlichen Statistik und Leiter des Referats „Künstliche Intelligenz, Big Data“ am Statistischen Bundesamt verwies er auf die enge Verzahnung ethischer Fragestellungen mit rechtlichen Rahmenbedingungen in der amtlichen Statistik.

Einen weiteren Schwerpunkt setzte Henrike Weinert mit dem Thema Datenethik im Bereich Lehre. Als Koordinatorin an der Technischen Universität Dortmund verantwortet sie verpflichtende Lehrveranstaltungen zur Datenethik in den Studiengängen Statistik und Data Science. Besonders hervorgehoben wurden die sogenannten „Gewissensbits“ – kleine Datenanalysen mit bewusst eingebauten ethischen Problemen, die von Studierenden identifiziert und reflektiert werden sollen. Diese Gewissenbits werden von der Gesellschaft für Informatik bereitgestellt. Ihre Empfehlung: Datenethik sollte in den Curricula der Studiengänge einen noch größeren Stellenwert erhalten.

Den abschließenden Vortrag hielt Rüdiger Bachmann, Ökonom und Professor an der University of Michigan. Er schlug warnende Töne angesichts des exponentiellen Wachstums von KI und KI-Methoden an. Am Beispiel der ökonomischen Forschung zeigte er auf, wie generative KI einerseits zu einer Demokratisierung beitragen kann – etwa indem auch Nicht-Muttersprachler qualitativ hochwertige wissenschaftliche Texte verfassen können. Andererseits verändere sich dadurch das wissenschaftliche Arbeiten grundlegend, bis hin zu teilweise oder vollständig KI-generierten Forschungsergebnissen, deren Qualität und Validität nur schwer messbar seien.

In der anschließenden Diskussion wurden Themen wie Datenschutz, Datenethik, das geplante Forschungsdatengesetz sowie Fragen wirtschaftlicher Macht und politischer Einflussnahme mit und durch KI intensiv erörtert. Die Mehrheit der Teilnehmenden betonte die Notwendigkeit klarer Regulierung. Die Gespräche setzten sich in den Pausen in kleineren Gruppen fort.

Insgesamt zeigte DAGStat-Symposium, dass Datenethik und KI ein hochaktuelles Thema mit großer gesellschaftlicher Relevanz ist, bei dem Statistikerinnen und Statistiker sowie Data Scientists aufgrund ihrer Fachkompetenz sehr gefragt sind. Angesichts des exponentiellen Wachstums von KI ist die Debatte keineswegs abgeschlossen – vielmehr ist davon auszugehen, dass Datenethik und KI auch bei zukünftigen Symposien eine zentrale Rolle spielen werden. Das nächste Symposium ist bereits in Planung.